Paul Klee, Gedenkblatt E, 1924, 122, Ölfarbe und Feder auf Grundierung auf Papier auf Karton, 39,5 x 28 cm, Privatbesitz, Italien -
Paul Klee, Gedenkblatt E, 1924, 122, Ölfarbe und Feder auf Grundierung auf Papier auf Karton, 39,5 x 28 cm, Privatbesitz, Italien
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Ausstellungen 21/10/14—01/02/15

Paul Klee. Sonderklasse – unverkäuflich

Wenn man Paul Klees Bilder ganz genau betrachtet, fallen kleine Bezeichnungen wie «SKL» auf. Die Kategorie «Sonderklasse – unverkäuflich» verwendete Paul Klee für Werke, denen er eine besondere Bedeutung beimass und die er für seine Nachlasssammlung vorsah. Paul Klees eigene und persönlichste Retrospektive.

Die Ausstellung vereint erstmals über hundert Werke der Kategorie «Sonderklasse» in einer  wissenschaftlich vertieften Ausstellung. Paul Klee klassifiziert von 1928 bis 1933 etwa 300 seiner farbigen Blätter mit den Kürzeln «SKl» oder «Scl» als Prädikat für Werke der Sonderklasse. Er entzog sie damit dem Kunstmarkt und unterschied sie von den verkäuflichen, in acht Preisklassen unterteilten Werken. Die Auswahl beinhaltet einen sehr persönlichen Blick des Künstlers auf sein eigenes Werk: zuerst rückblickend auf sein Schaffen von fast drei Jahrzehnten, ab 1928 selektiv auf seine aktuelle künstlerische Produktion bezogen. Klee erachtete die Bilder, die er mit «Sonderklasse» bezeichnete, als künstlerisch besonders qualitätsvoll oder für persönlich bedeutsam. 

Das Zentrum Paul Klee ist in der glücklichen Lage, eine grosse Anzahl von «Sonderklasse»-Bildern in seiner Sammlung zu haben. Ergänzt wird die Werkauswahl des Zentrum Paul Klee durch eine Reihe bedeutender Leihgaben aus deutschen Museen und aus Privatbesitz. Eine Vielzahl von Dokumenten und weiteren Archivalien beleuchten zudem spannende Zusammenhänge und Hintergründe von Klees Systemen der Preis- und Sonderklassen.

Im Jahr 1925 ändert sich Klees Situation auf dem Kunstmarkt mit der Gründung der Klee-Gesellschaft und der Trennung von der Galerie Neue Kunst von Hans Goltz in München. Dies zeigt sich in der akribischen Dokumentation seines Schaffens wie auch in der Strategie, die Preise seiner Bilder selbst zu bestimmen. Parallel zu seinen Geschäftsbeziehungen zu den Galeristen Alfred Flechtheim und Rudolf Probst stuft er ab 1928 bewusst Werke als «Sonderklasse» ein und gibt diese nicht in den Verkauf. Zuvor bezeichnete er nur einzelne Werke als «unverkäuflich» oder «für die Nachlasssammlung bestimmt». Eine wichtiges Kriterium für die Einstufung «Sonderklasse» waren Ausstellungen, die für Klee im Rückblick auf die Weimarer Bauhauszeit besonders wichtig waren. Zudem wird nachvollziehbar, wie Klee zwischen 1928 und 1933 seine laufende Produktion selektiv beurteilt. Die «Sonderklasse» ist für ihn eine sehr persönlich gefärbte Werkauswahl. Mit Klees Emigration im Dezember 1933 und dem Zusammenbruch des Kunstmarktes in Deutschland endet die «Sonderklasse»-Klassifizierung. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz gibt Klee eine Reihe von «Sonderklasse»-Werken wieder für den Verkauf frei. Für sie erschafft er neue, höhere Preisklassen von IX bis XVIII.

Die Ausstellung basiert auf einem von der Ernst von Siemens-Stiftung geförderten Forschungsprojekt der Universität Zürich, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Paul Klee und dem Museum der bildenden Künste Leipzig.

Die Ausstellung umfasst nebst weiteren Arbeiten von Paul Klee mit 100 «Sonderklasse»-Werken etwa einen Drittel des Totalbestandes der «Sonderklasse». Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation mit den Forschungsresultaten. Die Ausstellung wird nach Bern in leicht veränderter Zusammensetzung Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen sein (01/03—25/05/15).

Programm November bis Januar