Zentrum Paul Klee
Bern
05/09/14—11/01/15
Antony Gormley.
Expansion Field
Do 29.03.2012

Medienmitteilung
L’Europe des esprits – die Magie des Unfassbaren von der Romantik bis zur Moderne

31. März bis 15. Juli 2012

Das Zentrum Paul Klee eröffnet eine ambitionierte Ausstellung zu einem Thema, an dem kaum ein Künstler mit Rang sich nicht gemessen hätte: dem Unfassbaren eine bildliche Gestalt zu verleihen. Die Ausstellung «L’Europe des esprits – die Magie des Unfassbaren von der Romantik bis zur Moderne» widmet sich der Geschichte des Unfassbaren, die heute, in einer Zeit der Sinnsuche abseits der klassischen Religionen, eine neue Aktualität erhält.

Das Unfassbare und Irrationale ist aus unserer Gesellschaft kaum wegzudenken. Soziale oder finanzielle Krisen oder Katastrophen, seien sie vom Menschen oder der Natur herbeigeführt, werfen uns seit jeher auf elementare Fragen zurück. Kunstschaffende nehmen sich seit Jahrhunderten diesen Fragen an und machen diese in Bildern fassbar.

Im Gegenzug zu den rationalistischen Tendenzen der Aufklärung suchten die Künstler der Romantik im 18. Jahrhundert Übersinnliches darzustellen. Maler wie Johann Heinrich Füssli oder Caspar David Friedrich befassten sich mit Sagen, Mythen, Hexen und Geistern oder sahen die Natur als Spiegel der Gemütszustände. Die in Zusammenarbeit mit dem Musée d’art moderne et contemporain in Strassburg entstandene Ausstellung «L’Europe des esprits – die Magie des Unfassbaren von der Romantik bis zur Moderne» zeigt den sich wandelnden Einfluss mystischer Geisteshaltungen und spiritistischer Praktiken auf die bildende Kunst in Europa von 1780 bis in die 1930er Jahre. Neben der Erscheinung der Geister Europas in Malerei, Fotografie und Skulptur wird die Entwicklung der Kunstgeschichte in dieser Zeitspanne von der Romantik über den Symbolismus bis hin zum Surrealismus und den abstrakten Strömungen der Moderne nachvollziehbar. Werke bekannter Künstler wie Caspar David Friedrich und Francisco de Goya über Ferdinand Hodler, Piet Mondrian und Wassily Kandinsky bis zu Max Ernst wechseln sich mit den faszinierenden, hierzulande selten zu sehenden Bildern von herausragenden Künstlern aus Ost- und Nordeuropa ab.

Die Ausstellung wurde von Dr. Michael Baumgartner und Serge Fauchereau kuratiert und umfasst rund 250 Werke aus internationalem Besitz.

Die Eröffnung findet am Freitag, 30. März 2012, um 18 Uhr im Zentrum Paul Klee statt. Die Eröffnung wird vom weltbekannten Glasharmonikaspieler Bruno Kliegl umrahmt.

Lesebuch zur Ausstellung
«L’Europe des esprits – die Magie des Unfassbaren von der Romantik bis zur Moderne», hrsg. v. Zentrum Paul Klee, mit Texten von Michael Baumgartner, Patricia Bianchi, Serge Fauchereau, Geneviève Hertzog, Maria Horst, Dominik Imhof, Osamu Okuda, CHF 18.

Auskunft
Maria-Teresa Cano, Leiterin Kommunikation und Kunstvermittlung, , Tel. +41 (0)31 359 01 01

Begleitprogramm zur Ausstellung

Mittwoch, 25.4.2012, 18 Uhr
Führung «Geister Zug»
Eine unheimliche Führung mit Taschenlampe und spannungsvoller Musik in der Ausstellung «Unheimlich. Hexen, Geister und Dämonen bei Paul Klee»
CHF 5 + Ausstellungseintritt. Die Anzahl der Teilnehmenden ist beschränkt. Nur auf Voranmeldung: Tel.: 031 359 01 94; kunstvermittlung@zpk.org

Mittwoch, 23.5.2012, 18 Uhr
«Geisterstunde – Wie das 19. Jahrhundert das Jenseits und seine Bewohner neu erfand»
Vortrag und Ausstellungsbesuch mit Dr. Helmut Zander
CHF 5 + Ausstellungseintritt; ohne Anmeldung

Mittwoch, 6.6.2012, 19.30 Uhr
Tim Krohn liest aus «Vrenelis Gärtli» mit musikalischer Begleitung von Anna Trauffer (Bass und Gesang)
CHF 15 ; Vorverkauf: www.kulturticket.ch; Tel. 0900 585887 (CHF 1.20/Min.)

Sonntag,10.6.2012, 10.30–12 Uhr
Familienmorgen «Morgenröte»
CHF 10 pro Familie + Ausstellungseintritt.
Anmeldung: Tel. 031 359 01 61 / creaviva@zpk.org

Literarische Führungen mit Michaela Wendt
«Sehr beeindruckt mich das spürbar Unsichtbare.»
Sonntag, 22.4., 15 Uhr; Sonntag, 29.4., 15 Uhr; Mittwoch, 9.5., 13 Uhr; Mittwoch, 16.5., 13 Uhr
CHF 5 plus Ausstellungseintritt; kein Vorverkauf; Dauer 60 Minuten

L’Europe des esprits – die Magie des Unfassbarenvon der Romantik bis zur Moderne

Feen und Tischerücken
Die Magie des Unfassbaren und Übersinnlichen ist seit Jahrhunderten ein wichtiges Thema in der Kunst. Hexen, Feen und Dämonen aus dem Volksglauben und der Literatur, aber auch spiritistische Praktiken wie Tischerücken und Mystik faszinierten Künstler und Publikum stets in neuer Weise. «L’Europe des esprits – die Magie des Unfassbaren von der Romantik bis zur Moderne» beleuchtet die Bedeutung des Spirituellen, der Esoterik und des Okkulten für die europäische Kunst in einem weit gespannten Bogen.

Von der Romantik zur Wissenschaft
Sie setzt an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ein, einer Zeit, in der die vom Rationalismus der Aufklärung ins Dunkel verdrängte Welt der Mythen, Geister und Dämonen wieder auflebte. Mit dem fortschreitenden 19. Jahrhundert verstärkte sich das Interesse an okkulten und paranormalen Phänomenen. Während die einen deren Existenz mit Hilfe neuer wissenschaftlicher Methoden, wie beispielsweise der elektromagnetischen Strahlung, sichtbar zu machen versuchten, setzten sich andere mit den Weltreligionen und besonders mit östlichen Glaubenshaltungen auseinander. So die 1875 ins Leben gerufene Bewegung der Theosophischen Gesellschaft oder die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Rudolf Steiner begründete Anthroposophie, die sich beide der Erkundung der universellen geistigen Prinzipien des Seins widmeten.

Symbole und Abstraktion
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts suchten die Künstler des Symbolismus hinter der materiellen Erscheinung der Dinge eine tiefere, geistige Wahrheit und nach Mitteln zu deren künstlerischen Darstellung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte die künstlerische Moderne mit ihren Abstraktionstendenzen zu einem massgeblichen Entwicklungsschritt an. Und auch dieser ging mit einer dezidierten Abwendung von der materiellen Welt einher. Künstler wie Wassily Kandinsky, Piet Mondrian, Theo van Doesburg oder Johannes Itten fanden sich von theosophischen und esoterischen Lehren ihrer Zeit angezogen.